Linzer Kriminalgeschichte
Von vielen erwartet startet am 01. Februar 2022 die erste Staffel von SOKO Linz im TV.
Sehr cool, denn bekannte Schauplätze kommen darin vor: Tabakfabrik, Neuer Dom, Brucknerhaus, die Innenstadt, uvm.
Viele Einheimische haben es sich deshalb nicht nehmen lassen, auch als Komparsen und Statisten mitzumachen. Obwohl mich das Casting unheimlich gereizt hat, war mir der Andrang, Zeitaufwand und die Warteschlagen dann doch zu groß. Gratulation an Alle, die dabei sein dürfen!
Passend zum Thema habe ich mir nun die echte Linzer Kriminalszene angesehen.
Welche Fälle waren spektakulär und wurden die Täter gefunden? Wo kann ich Dinge nachlesen? Wie sicher ist Linz heute?
Natürlich habe ich hier nur ein paar Fälle aufgegriffen, sonst wäre es kein Beitrag sondern eine Lebensaufgabe geworden. Das Thema hat mich aber dann doch so gefesselt, dass ich beschlossen habe 2022 eine eigene Tour zum Thema „Kriminalfälle in Linz“ anzubieten.
Stay tuned – mehr Infos folgen!
Angela
Crimetime in Linz
Der Fall Tibor Foco
Ein Kriminalrätsel
Die Linzer Kriminalchroniken geben vieles her: Unerlaubtes Glücksspiel, Raub, Nötigung, Geißelnahmen, Sittlichkeitsdelikte, … und leider auch Morde.
So facettenreich die Stadt ist, so sind es auch die Menschen. Gut und Böse wohnt manchmal Tür an Tür.
In den späten 1970er Jahren begann die Linzer Rotlichtszene aufzublühen. Einige Morde in der Szene schockierten die BürgerInnen. Nichts war jedoch so spektakulär und umstritten wie der Fall Tibor Foco!
Was war geschehen?
1986 wurde mitten im Stadtgebiet von Linz an den Bahngleisen der Westbahn die Leiche von Elfriede H. gefunden. Die junge Frau war erst 23 Jahre alt und hatte zuletzt als Prostituierte gearbeitet. Schnell fiel der Verdacht auf einen gewissen Tibor Foco. Kein Unbekannter und Inhaber des Rotlichtlokals „Bunny-Bar„. Foco war relativ neu in der Szene. Aus gutbürgerlichen Verhältnissen, Motorradrennfahrer, adrett und jung.
Was dann losgetreten wurde ist mit Sicherheit der bekannteste Kriminalfall der Landeshauptstadt. Vielen LinzerInnen ist die Geschichte nach wie vor im Gedächtnis und bekannt.
1987 begann der Prozess. Es wurden insgesamt 77 Zeugen an 20 Verhandlungstagen gehört. Trotz vieler Ungereimtheiten und dem beharrlichen Bestreiten der Tat seitens Foco, wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt.
Most Wanted
Foco begann an der Uni Linz Rechtswissenschaften zu studieren. Im Jahr 1995, nach 9 Jahren Haft, gelang ihm von dort die Flucht. Insgesamt 8 Fluchthelfer konnten ausgeforscht werden. Bis heute steht er auf der internationalen „Most-Wanted-Liste“. Der Fall gibt bis heute viele Rätsel auf.
In der Goethestrasse befand sich die Bunny Bar.
In unmittelbarer Nähe sind die Gleise der Bahn.
Landesgericht Linz 2022
Beim Prozessauftakt 1987 war der Andrang vorm Gericht enorm.
Der Mord im Dom
Täter unbekannt
Der Neue Dom oder Maria Empfängnis Dom, überragt die ganze Stadt. Praktisch, denn als Tourist kann man sich gut an ihm orientieren. Sehenswert ist er allenfalls und seine Größe ist beeindruckend. Kann er doch Platz für 20.000 Menschen bieten und ist somit die größte Kirche Österreichs.
20-30 Jahre alt, 175 cm groß, dunkelblond, grauer Anzug
1933 kam es im Dom zur Begegnung zweier Menschen, die für einen von beiden tödlich endete.
12. September: Der Mesner (Kirchdiener), Franz Bachbauer, wollte zum Ende der Mittagszeit die Tore des Doms wieder aufschließen. Dabei fiel ihm eine Gestalt in der Kapelle auf. Er wollte die Person zur Rede stellen und das Drama nahm seinen schicksalshaften Lauf.
Der vermutlich beim Stehlen ertappte Mann gab unerwartet einen Schuss auf Bachbauer ab. Schwer getroffen, schleppte sich der Mesner zur Sakristei. Dort wurde er von einem Kollegen gefunden. Im Krankenhaus schaffte er noch eine Täterbeschreibung abzugeben. Leider kam für ihn jede Hilfe zu spät und Franz Bachbauer verstarb in Folge seiner schweren inneren Verletzungen.
Trotz der Beschreibung des Täters durch sein Opfer konnte er nie gefasst werden. Der Gerichtsakt befindet sich im OÖ Landesarchiv.
Laut Zeitungsberichten von 1933 wurde Mesner Franz Bachbauer in der Taufkapelle angeschossen.
Stadtführung gefällig?
ANNO Zeitungsarchiv
gutes wissen
Wer kennt ANNO ?
Anno ist ein echtes Wunderding! Ein großes Zeitungsarchiv, wo hemmungslos nach alten Zeitungsausgaben gesucht werden kann. Ob man nun nach historischen Automobil-, Frauen-, Forst-, Tages-, usw. Zeitungen sucht, hier ist man versorgt.
Es ist unheimlich spannend und hat großes Suchtpotential, denn aufhören ist schwierig. Einfach mal reinschauen und selbst ausprobieren.
Einen Zeitungsbericht über den Überfall auf den Mesner im Neuen Dom findet man beispielsweise hier:
Zeitung: Linzer Tages-Post
Tag: 12. September 1933
Seite: 4
Ausschnitt aus o.a. Zeitung;
Quelle: ANNO, Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften;
Österreichische Nationalbibliothek
Der Blaubart von Linz
Serienmörder
Es gibt Menschen, die werden bereits in ihrer Kindheit als asozial und unsympatisch beschrieben. Zu dieser Sorte gehörte Franz Leitgöb.
7 Frauenmorde in 20 Jahren
Zwischen 1912 bis 1932 trieb die Bestie sein mörderisches Unwesen.
Leitgöb wurde in Ansfelden bei Linz geboren und ließ sich zum Fleischhauergesellen ausbilden. Er heiratete sogar und hatte mit seiner Frau 3 Kinder.
Ab 1912 begann er sein kaltblütiges Spiel zu treiben. Sein erstes Opfer war Marie L. eine Hilfsarbeiterin aus Ried. Danach schlug er noch weitere 6 Mal zu. Zuletzt tötete er die Architektenwitwe Aloisia J. aus St. Peter bei Linz. Ein Raubmord!
Bei seiner Vernehmung gab er schlussendlich alle Frauenmorde zu.
Heimtückisch, lügnerisch, rachsüchtig
In einem Gutachten wurde Leitgöb als „moralisch verkommener, durchaus gesellschaftsfeindlicher Mensch“ bezeichnet.
Seine Haftstrafe trat er nur kurz an: Er schluckte eine Zahnbürste und einen Stofffetzen und starb in seiner Zelle an einem Darmdurchbruch.
Den Namen „Blaubart“ bekam er von der Presse wohl wegen der gleichnamigen Märchenfigur zugeschrieben. Der Ritter Blaubart steht für die zerstörerische Kraft und das Böse im Menschen. Ein wirklich passender Name – finde ich.
Kriminalstatistiken
interessant
Für alle die sich gerne mit Zahlen beschäftigen habe ich hier ein paar Links zu Kriminalstatistiken zusammengestellt:
Website von Statista
Website von Statistik Austria
Website vom Bundesministerium (Statistiken des letzten Jahres werden immer im 1. Halbjahr des Folgejahres veröffentlicht)
Unvergessen
stilles gedenken
Die Kriminalgeschichte von Linz ist für mich in der Recherche wirklich faszinierend. Was ich dabei auf keinen Fall vergessen will ist, dass hinter allen Geschichten Opfer stehen. Menschen, deren Namen wir vergessen haben und heute meist nur mehr von den Tätern sprechen.
In Gedenken an die Opfer:
Elfriede Hochgatterer (in Medien auch Hochgatter; Fall Foco)
Marie Lederer, Rosalie Danner, Marie Schmidhuber, Marie Renzeder, Marie Kappelmeier, Anna Oberleitner, Aloisia Jank
(Fall Leitgöb)
Franz Bachbauer
(Fall Neuer Dom)
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